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Unscheinbare Delikatessen: Kartoffeln


Ein gutes Dutzend Kartoffelsorten beherrscht heute das Angebot in den Supermärkten, darunter die festkochende "Hansa", die frühreifende "Sieglinde" und die mehligkochende "Bintje". Das reicht, finden Sie? Dann kennen sie "La Ratte", das "Rotkehlchen" oder die "Schwarze Ungarin" noch nicht. Zugegeben, sie sind häufig nicht so krankheitsresistent, nicht so transport- und lagerfähig wie ihre zu Tausenden von Tonnen verkauften Schwestern. Dafür aber machen ihr exquisiter Geschmack, ihre aparte rote, schwarze oder blaue Schale und ihr weißes, gelbes oder gar violettes Fleisch auch ein einfaches Kartoffelgericht zu einem besonderen Erlebnis.
Historische Kartoffelsorten sind häufig nicht so lager- und transportfähig wie die speziell für diesen Zweck gezüchteten Sorten. Viele Sorten eignen sich aufgrund ihrer ausgefallenen Formen nicht für die maschinelle Ernte oder sind aufgrund ihrer tiefliegenden Augen schlecht zu schälen. Nicht selten sind die auch anfällig für bestimmte Krankheiten. Warum also sollte man sie anbauen?
Alte Sorten und Wildformen stellen ein genetisches Reservoir dar, das sich für weitere Züchtungen einmal als nützlich erweisen könnte. Doch viel überzeugender ist die große Vielfalt ihrer geschmacklichen Qualitäten: Wer einmal Bamberger Hörnle, am besten nur mit Butter oder einer leichten Soße, probiert hat, weiß warum: Sie schmecken unvergleichlich gut. Kenner behaupten, sogar den Boden herausschmecken zu können, in dem die Kartoffel gewachsen ist und machen einen Kult um die perfekte Knolle.

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